“Nun sag', wie hast du's mit dem Suff?”
Von Mose bis WJ Mixa: Kurzer Abriss Christlicher Trinkvorstellungen
Einleitend: Christ & Alk
Der Christ und der Alkohol – sie stehen seit jeher in eigenartiger Beziehung zueinander. Einerseits, da verwandelte ein Jesus - vornehmlich auf Hochzeiten - gerne schon mal Wasser in Wein. Und andererseits, da wurde der Mensch, der eben jenen Wein konsumierte, von den Kanzeln herab als Sünder, Lüstling und moralischer Schwächling beschimpft.
Wie so oft, da gilt auch hier, im Christentum: Es kommt ebent darauf an, wer gerade trinkt.
Altes Testament; zu Zeiten Noahs und Konsorten
Von Anfang an wird kräftig hingelangt. Noah pflanzt nach der Sintflut erst einmal einen Weinberg und säuft sich anschließend splitterfasernackt in die Bewusstlosigkeit.
Kein sehr guter Start für die Menschheit, irgendwie, aber, ja, so doch ein ehrlicher.
King Salomo wiederum warnt vor dem Wein, während die Psalmen ihn gleichzeitig als Geschenk Gottes preisen.
Die bibeligen Alttestamente sind beim Thema Alkohol ungefähr so eineindeutig wie ein Pfarrgemeinderat nach drei Runden Riesling.
Die klerikalen Boomerjahre aka unser Mittelalter
Mittelalter, das war neben Anderem ein Zeitalter der produktiven und klerikal-ideologischen Professionalisierung . Die Klöster Europas wurden zu Brauereien mit angeschlossenem Gebetsbetrieb. Benediktiner, Zisterzienser, Trappisten und wie sie alle heißen, sie brauten Bier nicht trotz ihres Glaubens, sondern gerade deswegen. Flüssiges Brot nannte man das. Während der Fastenzeit durfte der gemeine Mönch nämlich nichts essen – trinken hingegen schon. Und so entwickelte der katholische Kulturraum eine geradezu beeindruckende Fähigkeit, religiöse Vorschriften in ihrem Sinne auszulegen.
Der kleine, einfache Gläubige jedoch, siehe oben, der bekam regelmäßig gepredigt, dass Trunksucht eine Todsünde sei. Das hinderte jedoch die Honoratioren - von gemeinen Dorfpfarrern bis hinauf zu soutanierten BischofsEuerWürdens - keineswegs daran, bei Festtagen ordentlich anzustoßen.
Überhaupt gehört die gepflegte Doppelmoral beim Thema Suff zur ältesten christlichen Tradition überhaupt. Wasser predigen, Wein trinken – das war keine Redensart, sondern jahrhundertelang ein belastbares Geschäftsmodell.
Enforcment: Luthers Gang
Später kamen dann die Protestanten und versuchten Ordnung in die Sache zu bringen. Manche predigten Mäßigung, andere gleich Abstinenz. Besonders in Amerika entwickelte sich daraus ein freudloser Protestantismus, der schließlich in der Prohibition endete – jenem historischen Experiment, bei dem man den Menschen Alkohol verbot und damit lediglich erreichte, dass plötzlich jeder heimlich soff.
Nowadays
Und heute? Nun, offiziell gilt schon noch und weiterhin die Mäßigung. Doch auch moderne, bzw. gegenwärtige, Kirchenvertreter sind vor den Versuchungen des Alltags noch immer nicht gefeit. Wir denken etwa an unseren großen Augsburger, den W. Mixa. Als Militärischer Geistlicher nahm er beim einen oder anderen großen und kleinem Zapfenstreicheln teil. Und er war dem Messwein nicht ausschließlich liturgisch verbunden. Der Prototyp des klerikalen morgensmittagsabends Spiegeltrinkers, der dann, stets leicht enthemmt, Schellen an die Messdienenden verteilte. Worüber man aber eigentlich nicht spricht, wie sich versteht..
Jörg
Seineszeichens kleiner Chef des Großen Ganzen